Warum Männer früher sterben und was ein Arzt dagegen tun kann

Männer gelten als das starke Geschlecht. Doch sie sterben fast überall auf der Welt früher als Frauen. Neuen Erkenntnissen zufolge ist die kürzere Lebenserwartung eher selbst verschuldet als genetisch bedingt.

  • Männer sterben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Gründe dafür sind zu späte oder auch falsche Diagnosen.
  • Präventionsprogramme sollten überarbeitet werden, um Männer besser und gezielter anzusprechen.

Der gesellschaftliche Stress, dem Männer ausgesetzt sind, fordert seinen Tribut. Männer „müssen“ Karriere machen und sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Dazu kommt noch familiärer Stress. So verlangen Partnersuche, Partnerkonflikte, die Erziehung der Kinder sowie die finanzielle Sicherung der Familie ihren Zoll. Ein „kranker“ Mann ist in unserer Gesellschaft nicht mehr konkurrenzfähig. Ein Mann mit bekanntem Herzinfarkt zum Beispiel bekommt weder eine Lebensversicherung noch einen größeren Kredit.

Der Stress und die ungesunde Lebensweise führen zu vermehrten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in jungen Jahren. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren fünfmal häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. Erektionsstörungen, die als Warnzeichen für derartige Erkrankungen gelten, werden vielfach ignoriert und nicht entsprechend diagnostiziert.

Männer sind Vorsorgemuffel

Die Medizin ist viel zu wenig auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet. So nehmen nach wie vor zu wenig Männer Präventions- und Vorsorgeprogramme wahr, obwohl die Krankenkassen viele von ihnen mit großem Aufwand bewerben und auch bezahlen. Doch während etwa in Sachen Darmkrebsbeiden Geschlechtern mittlerweile der Wert der der Vorsorgeuntersuchung bewusst scheint, scheuen viele Männer nach wie vor den Gang zur Prostata-Krebs-Früherkennung.

Männer werden oftmals falsch diagnostiziert

Allerdings darf man nicht nur den Männern die Schuld an ihrer vernachlässigten Gesundheit geben. Vielmehr werfen neuere Untersuchungen auch den Ärzten vor,  Symptome bei Männern oft zu spät oder gar nicht zu erkennen. Es reicht eben nicht, bei Erektionsproblemeneinfach nur eine Tablette zu verschreiben.

So diagnostizieren sie Frauen zum Beispiel häufiger eine psychische Erkrankung als Männern. Die Vermutung der Studienautoren: Männliche Ausformungen von psychischen Problemen, etwa Aggressionen oder Alkoholkonsum, würden Mediziner häufig nicht als das erkennen, was sie sind. Auch seien viele Ärzte nicht geübt im Patientengespräch mit einem Mann, der vielleicht nicht so schnell von einem Symptom berichtet wie eine Frau.

Denn: Männer achten generell weniger auf körperliche Veränderungen als Frauen und neigen zudem dazu, sie viel später zu thematisieren.

Neue Anlaufpunkte schaffen

In den letzten Jahrzehnten habe ich nicht nur die Andrologischen (männermedizinischen) Abteilungen der Universitätskliniken in Innsbruck und später in Wiengeleitet, sondern mich auch intensiv mit der Entwicklung eines neuen Konzeptes beschäftig.